Dienstag, 23. März 2010

40 ... und optimistisch!

Es ist 1:00 nachts. Wieder einmal hat sich heimlich ein Gedanke angeschlichen und kurz vor dem Einschlafen, zwischen Schaf 75 und Schaf 76, hinterrücks zugeschlagen! Ich werde dieses Jahr 40!

Komischer Gedanke! Er alleine ist noch nicht schlimm, nur etwas verstörend. Schlimmer sind die Gedanken die ihm unweigerlich folgen!

Es gab Zeiten da habe ich bei "40" an viel angenehmere Dinge gedacht ... "Alibaba und die 40 Räuber"... "Forty Licks" ... "40° Sonne und Strand"... "40° Fieber und Sonnenbrand"... "40° Fieber, Sonnenbrand und 40 Krankenschwestern!" Ja, damals wusste ich noch nicht wie kompliziert Frauen sind und dass eine einzige dieser Spezies dein gesamtes, lebenslang mühsam gesammeltes Ego und Selbstvertrauen in einem einzigen Satz absolut pulverisieren kann..."Sag mal ... hatten wir gestern abend Sex?"


30 zu werden war damals doch schon irgendwie sehr merkwürdig! Es war ein Schock, das erste mal auf der Strasse von einem Jüngeren mit "SIE" angeredet zu werden und zu realisieren, der meinte das kein bisschen zynisch... sondern ernst und respektvoll! I C H? Eine Respektsperson? Ohhhh nöööö!.... hör auf mit dem Scheiß... mach das nicht... nein... bitte, bitte nicht!

Ich habe mich im Spiegel angesehen und verwundert gefragt: "Wie jetzt? 30? Du fühlst dich nicht so, du siehst nicht so aus, du benimmst dich nicht so!" Abgenommen hat mir das sowieso niemand, wenn ich nach meinem Alter gefragt wurde. Ich hatte mit 30 das Aussehen und die Ausstrahlung eines Mittzwanzigers... Aber ich hatte 10 Jahre lang Zeit mich zu beruhigen, gelassen zu werden und die Zahlen zu ignorieren!

Bis Heute!

Heute denke ich: "So sieht man mit 40 aus? Auch nicht anders als mit 30! Dieser scheiss Pickel da, der nervt... Mist!... Och nöööö! Schon wieder ein graues Haar! Aber wenigstens habe ich sie noch alle!"
(Nicht im Kopf... sondern ich meine die HAARE.... Bei den Zähnen sieht es anders aus...)

Das wirklich, unglaublich ungerechte am 40-Werden ist, dass ich generell noch immer nicht das Gefühl habe deutlich älter und weiser zu sein, sondern lediglich pragmatischer und ein ganzes Ende desillusionierter! Ich hatte angenommen, dass man in diesem Alter schon einige große AHA-Erlebnisse hatte. Statt dessen habe ich den Eindruck, das gefühlte Wissen nimmt immer mehr ab, und ich werde immer inkompatibler mit der Welt und den Leuten die auf ihr herumspringen...
Ich fühle mich irgendwie um die essenziellen Erkenntnisse und das damit einher gehende Zufriedenheitsgefühl betrogen...

Heute denke ich bei "40" eher daran was ich mit 20 über die 40-Jährigen dachte. ... "Boah... doppelt so alt wie ich! Die Mumie!... Was werden die wohl alles Wissen?" Heute kenne ich die ernüchternde Antwort: Auch nicht viel mehr! Und anscheinend wird sich dieser Zustand der allgemeinen Ratlosigkeit auch nicht mehr ändern... Mein Vater hat mir neulich auf meine Frage hin die überraschende Antwort gegeben: "Junge vergiss es! Ich kann dir sagen, auch mit Mitte 60 fühlt man sich nicht weise! Dieses Gefühl hat man warscheinlich erst im Augenblick seines Todes und dann hat man ganz andere Probleme...!"
Na das kann ja heiter werden!

Tatsächlich wünsche ich mir irgendwie ich könnte noch einmal 20 sein! Nicht wegen des Aussehens.  Ich habe mit 20 auch nicht besser ausgesehen und ich bin ganz zufriedenmit mir... immer noch vorzeigbar... Oder gar dem Sex... Der Sex mit 30 bis 40 war weit besser als der, den ich mit 20 hatte. Das lag letztendlich zu einem nicht unbedeutenden Teil daran, dass ich in dieser Zeit eine Frau hatte, und dem geänderten Ziel... Qualität... statt Quantität.

Nein, ich wünsche mir noch einmal 20 zu sein, wegen dem Gefühl unsterblich und allwissend zu sein, und alles zu können! Ja, ok ... Ich habe auch mit 40 noch auf jede Frage eine Antwort... das ist eine meiner nervigsten Eigenschaften... ABER, sie machen auch in meinen Ohren manchmal absolut keinen Sinn mehr!!! Und es gibt mit 40 tatsächlich Dinge, bei denen ich mir eingestehen muss, dass ich sie ABSOLUT nicht verstehe und warscheinlich auch niemals verstehen werde! ... Politik... Krankenkassen... Wirtschaft... Frauen... Bei den ersten 3 habe ich wenigstens noch etwas Hoffnung.

Aber am Schlimmsten für mich ist,  mit 40 festzustellen, dass ich mich, gegen meinen ausdrücklichen Wunsch, doch in einen zynischen Pessimisten verwandelt habe. Ich bin das nicht freiwillig... sondern es hat sich heimtückisch und hinterrücks angeschlichen und langsam von mir Besitz ergriffen... und nun bin ich ein Zombie!

Das Sprichwort "Pessimisten sind Optimisten mit Erfahrung!" trifft es dabei irgendwie genau auf den Punkt! Ich habe jede Menge Erfahrungen, die ich beim großen Pförtner liebend gerne wieder zurückgeben würde, wenn ich könnte! Aber der verdammte Mistkerl hält von innen die Tür zu!

Gut, in gewisser Weise bin ich auch Optimist... Der Pessimist sagt: "Schlimmer gehts nicht!", Der Optimist antwortet "Doch!"

Nehmen wir nur mal mein persönliches, gefühltes Jahr, 2009!
Mai - Juni: Magenentzündung, Notaufnahme ... Juli: "Herzlichen Glückwunsch, Sie sind steinreich! Sie haben Gallensteine!" (Na,welch erfreuliche Nachricht!) August: Bauchspeicheldrüsenentzündung (tolles Wort!), Notaufnahme, 3 Wochen Krankenhaus ... September: Gallenentzündung, Notaufnahme... "Guten Tag da bin ich wieder!" Gallen OP, 3 Wochen Krankenhaus... Mitte November: Knöchelbruch! 3 Wochen Krankenhaus... 5 Monate Krücken...
Anfang 2010... ein Blick auf die Waage... "Holla... 10 Kilo mehr???? Wo kommen die denn her? Ich hatte doch die Tür abgeschlossen!... "

Schlimmer geht's nicht! Schlimmer geht's nicht? NA, NA, NA... ein bisschen mehr Optimismus bitte!

Nach 6 Wochen Kurklinik eröffnet mir meine ... hmm, ja ... nun Ex: "Du, ich habe beschlossen, dass es besser ist, wenn wir uns trennen... " ... Na, also ... geht doch!!!

Ein guter Freund riet mir kürzlich, dass ich mir, dem Umkehrschluss eines Sprichwortes folgend, bei meinem Glück unbedingt ganz dringend Gedanken über den Erwerb eines Dauer-Lotto-Scheines machen sollte...

... na der ist auch optimistisch!




... to be continued



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